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Was sind schon tausend Jahre?

Geduld ist ein Werkzeug im Koffer eines jeden guten Arztes. Geduld ist sphärisch, ist sakral, kann sich manchmal auch materiell offenbaren.

Diese schöne deutsche Eiche wächst, schon über eintausend Jahre an ihrem Platze harrend, in der Oberlausitz. So ziemlich alles ringsum veränderte sich in – aus ihrer Sicht gesehen – wenigen  Jahren. Berge erodierten, Menschen kamen und gingen, Reiter im Harnisch zogen vorüber. In Jerusalem erwuchs ein christliches Reich, in Deutschland entstanden Städte aus dem Nichts. Drei deutsche Reiche sah die Eiche untergehen, Pest und Kriege verwüsteten die Lande. Der alte Fritz rang mit Kaiserin Maria Theresia um das unmittelbar hier beginnende Schlesien. Napoleon huschte wie eine graue Maus durch das Bild der Zeit, jahrhundertelang fuhr manche Kutsche festlich geschmückte Bauern an ihr vorbei zu den Tanzböden der Umgebung. Unser herrliches deutsches Brauchtum gedieh im wohltuenden Schatten ihrer großen Krone, doch auch Tränen tränkten die Wurzeln des Baumes.

An den rissigen und kolossal umfangreichen Stamm gelehnt, begreift der seltene Gast die Neuerungssüchte unserer Zeit als bizarr, kleingeistig und weithin unnötig. Er sieht – verbunden mit den „Augen“ dieses Baumes – den  albernen Eifer, den inneren Verfall der Menschen, welche sich als die klügsten seit der Schöpfung dünken. Der Gast verspürt die Dynamisierung des Bösen in einer Zeit des Dranges zu umfassender Herrschaft und Beugung der schöpferischen Ordnung. Es bedrückt den Gast, aber die Äste des Baumes wispern: „Wart nur, wir gaukeln nicht, wir wissen!“     

Zeit braucht Geduld. Zeit sieht vieles vorüberziehen, aber die Zeit ist nicht zu beugen. Zeit birgt alles – das Böse wie das Schöne, Enttäuschung wie Triumph.

So darf der Wanderer aufstehen und gestärkt weiterziehen, mit einem Lächeln der Gewißheit im Gesicht all die Eiferer die ihm entgegenkommen, die Verbissenen und die Rechthaber, die Unehrlichen und Erklärbären mit den Augen der tausendjährigen Eiche sehen. Alles wird vergehen, desto mehr es strampelt – umso eher.

Und als Christ möchte ich mit Bonhöffers Worten hinzufügen:
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag“. Doch wisse, unter dem Baum Rastender: die Kraft welche der Baum dir schenkt, sollst Du nicht für dich allein verwenden, sondern auch zur Stärkung derer, die Dir gutwillig auf dem Weg durch das Jahr begegnen. Kann man teilen, so wird man mehr. Kann man abgeben, so bekommt man auch zurück. Stück um Stück erwächst so Gemeinschaft – welche  emporstrebt und durchaus die Kraft und Zeitlosigkeit der alten Eiche gewinnen wird.

Lassen Sie uns also das in Kürze anbrechende neue Jahr entspannt empfangen. Es gibt große Kräfte die gut sind, aber es gibt auch die beiden Höllenhunde Neid und Gier: den Eisengrind und Garm. Nur wer sie nicht anfüttert, wird sie auch nicht erleben. 

Wenn sich der eine oder andere doch verfizzen sollte, hilft es bestimmt, eine Pause einzulegen und den alten Baum aufzusuchen. An seinem Fuße, unter seinem Kronendach, erfährt man die Kraft der Geduld und manche Lebensfalten glätten sich so wieder.

Ein gesegnetes Jahr 2021!

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Ihr
Helge Hilse